(Folk Rock/Jam Band/Roots Pop/Country Rock/Newgrass) 2014 Black Bear - wahrscheinlich war ich wesentlich begeisterter von der letzten Railroad Earth-CD, der selbstbetitelten von 2010, als die Band selbst?! Jedenfalls sind sie danach in Klausur gegangen und haben beschlossen, erstens: wieder selber zu produzieren, zweitens: auch im Studio möglichst live zu klingen und den Jam-Faktor zu erhöhen, also etwa so wie auf 'Amen Corner' von 2008. Dem vermeintlichen Zuviel an Studiotechnik bzw. der aufgeladenen Produktion wurde also bei den Recordings zu 'Last Of The Outlaws' abgeschworen. Herausgekommen ist dabei nichts weniger als ein weiteres Spitzenalbum einer der interessantesten und vielschichtigsten Bands, wenn es darum geht, Blue/Newgrass-Wurzeln über eine ausgeprägte Singer/Songwriter-Kultur mit innovativen Arrangements und leidenschaftlicher Spielfreude in den unbegrenzten Americana-Himmel wachsen zu lassen! Was auffällt auf diesem bereits 7. Album des Sextetts aus Stillwater, New Jersey ist eine noch breitere Stilmixtur, in die auch wieder Roots Pop und Celtic Folk Einzug halten. Außerdem steht Mandolinist John Skehan besonders auf den elegischen Balladen mit deutlichen Klavieranteilen im Vordergrund, greift Multiinstrumentalist Andy Goessling (Lead Guitar, Banjo, Dobro, Lap Steel) wieder wie früher auch zu Blasinstrumenten (Saxofone, Klarinette, Flöten) und Geiger Tim Carbone verstärkt zur elektrischen Gitarre (Jerry Garcia-style!). Und dann ist da ja auch noch Bandleader, Chefautor und Sänger Todd Sheaffer mit seinen Songs. Dieses geballte Talent mit so vielen Ideen braucht seinen Platz. Und der wird mit einer Laufzeit von über 70 Minuten bestens genutzt! 15 Stücke kommen darin unter, wobei die Tracks 4-8 ('All That's Dead May Live Again') und 9-10 ('Face With A Hole') in einer opulenten Suite zusammengefasst 20:48 lang sind. Diese ambitionierte, komplexe Americana-Minioper allein erinnert an einen kongenialen Mix aus Punch Brothers, Loggins & Messina, String Cheese Incident, Phish und mit ein bisschen Fantasie auch an 'Terrapin Station' von Grateful Dead. Aber auch die meisten der "normalen" Songs steuern über die 5, 6 und 8 Minuten-Marke. Mein Favorit ist das lässig vor sich hin groovende 'Hangtown Ball' (8:41), das sich mit seinem klassischen Dead/Dawg-Mix total nach Old And In The Way anhört. Oder doch das fast 9-minütige 'Grandfather Mountain', auf dem Railroad Earth Fairport-klassischen Folk Rock in die Blue Ridge Mountains transportieren, um sich am Ende herrlich in einen Acoustic Jam von Geige, Dobro und Klavier zu verlieren?! Ach, es gibt so viel zu entdecken hier!!