(Songwriter/Rock/Pop/Folk) 2014 Blue Castle - 'Croz' ist in vieler Hinsicht bemerkenswert. Lässt man all die ganzen Alben von Crosby/Nash, CSN, CSNY, auch die paar respektablen CDs als CPR Mitte der 90er mal außen vor, dann ist das hier tatsächlich erst David Crosby's 4. Soloalbum in einer ewig lange scheinenden Karriere. Und - soviel ist gleich von den ersten Klängen an spürbar - es ist sein ambitioniertestes, engagiertestes, qualitativ ausgewogenstes und damit musikalisch wertigstes seit seinem legendären Debüt ('If I Could Only Remember My Name', 1971), obwohl beide stilistisch und formal kaum ähnlich klingen - logisch und gut so, es liegen schließlich 43 Jahre dazwischen! Vom frühen, oft psychedelisch verklärten Hippie/Folk Rock im Freundeskreis von Grateful Dead und Jefferson Airplane haben Crosby und sein an 'Croz' entscheidend beteiligter Sohn James Raymond aber ein paar entscheidende Sachen herübergerettet: die komplex verschachtelten, mit ganz besonderen Harmonien versehenen Songstrukturen und die fantasiereiche Sprache in den exquisiten, kopfanregenden Lyrics (jawohl, der Meister war endlich mal wieder fleißig!), den auffälligen Acoustic Guitar-Sound, der allerdings nicht mehr von Crosby selber sondern von dem talentierten Marcus Eaton gespielt wird und natürlich Crosby's von jeher fettestes Pfund, mit dem er noch die mieseste Nummer retten konnte: seine unvergleichliche Stimme, die an Qualität, Prägnanz und Klarheit nichts in all den Dekaden verloren hat. Ansonsten regiert die stets leicht "sophisticated" (frei nach Steely Dan) angehauchte, edel, soft-jazzig und ultra clean wirkende Rock/Pop/Folk-Crossover-Produktion, mit der Raymond schon die CPR-Alben ausgestattet hatte. Schließlich ist der Mann Keyboarder, Arrangeur und Produzent, kommt eigentlich aus der TV-Musik- und Soundtrack-Branche. Crosby (Stimmen), Eaton (Gitarren) und Raymond (alles mit Tasten, Programming) bestimmen also den Sound von 'Croz', punktuell setzen Mark Knopfler (Electric Solo Guitar), Wynton Marsalis (Trompete), Steve Tavaglione (Sax), Shane Fontayne (Electric Guitar), Lee Sklar (Bass) oder Todd Caldwell (Orgel) kleine Marken. Da kann ich als ultimativer David Crosby-Fan, der schon früher dessen skurrile Byrds-Beiträge extra rausgepickt hat und im Besitz wirklich übler Platten bis hin zu Phil Collins ist, nur weil er da auf irgendeiner Nummer Harmony singt, sehr gut mit leben! Ja, ehrlich gesagt, hätte ich ihm sowas wie 'Croz' gar nicht mehr zugetraut!!