(Songwriter/Folk/Alt.Folk) 2014 Missing Piece - nachdem ich dieses zweite Werk des jungen kanadischen Barden und Storytellers gehört hatte, war ich so schwer beeindruckt, dass ich in Gedanken schon den berühmten Jon Landau-Satz über Springsteen für ihn umformulierte: "I saw folk future and its name is Leif Vollebekk". Okay, ganz so dramatisch verhält es sich vielleicht nicht, aber das Gute an diesem Typen ist wirklich, dass er sich auch in den Wochen des Dauerhörens danach überhaupt nicht ein Gramm verbraucht hat, wie in der ersten Stunde immer noch Gänsehaut und Nackenkribbeln bewirkt! Inzwischen besitze ich auch sein Debüt 'Inland' von 2010 und beide Alben sind seither aus meinem Player nicht mehr wegzudenken, aber 'North Americana' - im Vorjahr in Kanada erschienen, jetzt in den USA veröffentlicht - ist schon das Nonplusultra!! Vollebekk singt mit einer intensiven, mittelhohen, mal krächzenden, mal erzählenden, mal wimmernden, mal schwelgerischen Stimme, die ihre fragilen aber auch kräftigen Momente hat und jederzeit in der Lage ist, die verschiedenen Stimmungen seiner Texte auszuleben! Ausdruck ist alles bei Vollebekk und das zeigt er auch in einer breiten Palette von geschicktem Picking bis zu eher rustikalen Anschlägen auf der akustischen Gitarre, in seinem dylan-haft unfertigen Harmonica-Expressionismus oder im elegisch-perlenden Klavierspiel. Daneben ist er auf den "band"-arrangierten Nummern auch mit elektrischer Gitarre, Fiddle und/oder an der Orgel zu hören. Unterstützung bekommt er hier von einer sehr beweglichen Rhythm Section (Akustikbass/Drums) aus dem Jazzlager, manchmal von der Geige Sarah Neufeld's (Arcade Fire) und der Pedal Steel von Joe Grass. Dylan ist durchaus ein Vergleich, genauso Jeff Buckley und Ryan Adams, aber man hört auch deutlich, dass der Kanadier zur Generation von Bon Iver, Dan Mangan, Joe Nolan und Devendra Banhart gehört oder in der Nähe des ein oder anderen Kollegen aus Skandinavien und Island nicht fehl am Platze wäre. Die Arrangements seiner 10 Songs gestaltet Vollebekk sehr unterschiedlich: Da hören wir ihn solo mit Guitar/Harp ('Off The Main Drag' und 'From The Fourth') oder am Piano ('A Wildfire Took Down Rosenberg', 'Pallbearer Blues'), mit voller Montur ('Southern United States', 'Takk Somuleidis', das 7-minütige 'When The Subway Comes Above The Ground' gar im Stil von 'Blood On The Tracks'!) oder irgendwie "dazwischen" (Gitarre und Orgel auf 'Cairo Blues', Klavier und Bass auf 'Photographer Friend'). Aber egal, wie und was dieser Leif Vollebekk auch macht, es ist immer einer kongeniale Mischung aus Talent und Können, Spontanität und Perfektion, Neuland und Tradition, eigenen Erfahrungen und Fiktion. Der 28-Jährige hat das Rad des Folk und des Singer/Songwritertums nicht neu erfunden, aber sein Album 'North Americana' setzt eine denkwürdige Marke! Es wird nicht seine letzte sein!!