(Country/Folk/Roots/Country Rock) 2014 Rounder - ein Jahr, in dem es sowohl neue Alben von Rosanne Cash als auch von ihrer Stiefschwester Carlene Carter gibt, muss sehr lange her sein! Überhaupt glänzen ja beide gerne mit jahrelanger Veröffentlichungsabstinenz. Brachte Cash im Januar mit 'The River & The Thread' ihre in allen Feuilletons, die was auf sich halten, als Meisterwerk abgefeierte Reise in den Süden und in die eigene Vergangenheit heraus, so folgt jetzt Carter mit einem Tribut an ihre Vorfahren, der legendären Carter Family, und betitelt ihr erstes neues Album nach 6 Jahren folgerichtig und mit einigem Selbstbewusstsein als 'Carter Girl'. Ja, sehr wohl hat die Endfünfzigerin ihren ganz eigenen Platz in der ehrenwerten "First Family Of Country Music" verdient. Seit Mitte der 70er Jahre hält sie eine Karriere mit manchen Rückschlägen am Laufen, rappelt sich selbst nach privaten Tiefs immer wieder auf. So ist 'Carter Girl' nicht nur als Hommage an die Großvaterlegende A.P. Carter und seine Lieder (hier allein 7 von 12, darunter 'Gold Watch And Chain', 'Black Jack David', 'Give Me The Roses'), an ihre Mutter June Carter Cash ('Tall Lover Man') und an all die anderen Familiengranden von Mother Maybelle bis hin zu Johnny Cash zu werten, sondern auch als fettes aktuelles Americana-Statement in eigener Sache, nach dem Motto: Seht, das sind meine Gene, da komme ich her - und das habe ich daraus gemacht! Dazu passen auch das selbstgeschriebene, re-arrangierte 'Me And The Wildwood Rose' (im Original auf 'I Fell In Love', 1990) und das von ihr umgemodelte Carter Family-Stück 'Lonesome Valley 2003' mit Reflektionen zum Todesjahr von June & Johnny. Gewohnt einfühlsame und überragend, dem Projekt angemessen klingende Produktion von Don Was (Kris Kristofferson, Bonnie Raitt, Lucinda Williams, Waylon Jennings). Feat. eine L.A. Allstar Studio Band, die ihresgleichen sucht: Blake Mills und Val McCullum an den Gitarren, Greg Leisz mit Pedal Steel und anderen Gitarren, Sam Bush (Mandoline), Rami Jaffee (Keyboards), Jim Keltner (Drums, Percussion), Don Was selber am Bass; dazu die Duettsänger Kris Kristofferson, Vince Gill, Elizabeth Cook und Willie Nelson. Dann auf dem abschließenden 'I Ain't Gonna Work Tomorrow' die vielleicht letzte Gitarrenspur des verstorbenen Countrypaten Cowboy Jack Clement und die von einer long lost spätachtziger Session hinzugefügten Chorstimmen der Carter Family (Helen, Anita, June) plus Johnny Cash. Mehr geht nicht! Fazit: Wer "A" sagt zu Rosanne Cash, muss auch "B" sagen zu Carlene Carter - das gilt besonders für die Medien und Kritiker!!