Die zweite Veröffentlichung auf dem kürzlich neu gegründeten Continental Rose-Label, eine niederländisch-deutsche Kooperation der beiden angesehenen Firmen Continental Record Services (CRS) und Blue Rose, gehört den Howlin' Brothers aus Nashville. Mit 'Trouble' bestätigt das erstaunlich vielseitige Trio seinen guten Ruf als energiegeladene und intelligente Acoustic Roots-Combo, die in kleinen Clubs genauso wie auf den einschlägigen Festivals immer mehr Fans begeistert, aber auch all ihr Talent und Herzblut bei ihren Recording Sessions im Studio einbringt. 'Trouble' - sicher nicht gerade ein Leitmotiv, das per se für Spaß und Optimismus steht - besticht dagegen musikalisch durch seinen geradezu abenteuerlichen Mix aus allen denkbaren Americana-Stilarten und überzeugt mit dem schier grenzenlosen Können und der unbändigen Lust am Musizieren der fabelhaften Howlin' Brothers, die zwar keine wirklichen Brüder sind, dafür aber langjährige Freunde, die sich in jeder Sekunde ihres Wirkens aufeinander verlassen können!

Vor gut 10 Jahren traf man noch in der gemeinsamen Heimat von Ithaca, New York als Studenten zusammen. Damals hätte sich wohl keiner der Drei vorstellen können, später diese ganz spezielle, aktuell in den Staaten so sehr populäre Southern Roots Music zu spielen - Ian Craft war gelernter Schlagzeuger, Jared Green und Ben Plasse spielten elektrische Gitarren in lauten Rockbands. Der Kick für eine grundlegend andere Sichtweise kam durch die - auch vom 'O Brother'-Phänomen motivierte - Auseinandersetzung mit der Musik solcher Folk'n Roots-Ikonen wie Doc Watson und John Hartford. 2005 zog das Trio gen Süden und entwarf innerhalb der alternativen East Nashville Community seine ganz eigene Version von Alt.Americana mit einer irren Mischung aus Bluegrass, Cajun, Old Timey, Country, Blues, R&B, Gospel, Jazz, Rockabilly, Honky Tonk, Dixieland und sogar Reggae! Dazu entwickelte sich Craft buchstäblich zum Multitalent, verlagerte seine instrumentellen Schwerpunkte vom Schlagzeug hin zu Geige, Mandoline und Banjo; Green ist jetzt meist an akustischer Gitarre, Klavier und Mundharmonika zu hören; Plasse betätigt in der Regel den Standbass, beherrscht aber auch weitere Instrumente. Individuell und gemeinsam bestreiten sie dazu die Lead & Harmony Vocals. So veröffentlichte die Band in ihren stilbildenden frühen Jahren auf privater Ebene die Studioalben 'Tragic Mountain Songs' (2007), 'Long Hard Year' (2009) und 'Baker St. Blues' (2011), danach folgte mit 'Old Time All The Time' (2012) eine Live-Zusammenstellung.

Der nationale Durchbruch gelang den Howlin' Brothers in 2013 mit dem vom bekannten Indie Rocker/Power Popper und Produzenten/Tonmeister Brendan Benson (Raconteurs, solo, Jack White, etc.) maßgeblich betreuten Großwerk 'Howl'. Kritiker und prominente Kollegen wie Warren Haynes und Ricky Skaggs taten ihre Begeisterung kund, das bunt gemischte Programm setzte sich aus meist schnell gespielten eigenen Stücken, die so klingen wie neu bearbeitete Traditionals, wirklichen Traditionals sowie Songs von John Hartford und Otis Smothers zusammen. Das Ganze ging dann in Richtung Old Crow Medicine Show, Dirty River Boys, Pokey LaFarge, Bad Livers, Gourds, Black Twig Pickers, South Memphis String Band, Carolina Chocolate Drops und war einfach extrem unterhaltsam!

Nach diesen fruchtbaren Erfahrungen wollte man für 'Trouble' unbedingt wieder mit Benson zusammenarbeiten! Seine kleinen Direktiven hier, zündenden Ideen dort sorgen für das gewisse Etwas bei den Arrangements, bewirken einen strukturierten Albumfluss und jene intensive Aura, von der man sich als Zuhörer allzu gerne vereinnahmen lässt. Kaum zwei Songs klingen hier ähnlich und trotzdem geht am Ende alles auf wie bei einem anspruchsvollen Puzzlespiel. Das gesamte Material wurde diesmal vom Trio selber geschrieben, also auch das stark nach alten Vorlagen klingende Liedgut. So ist 'Trouble' sehr angelehnt an eine Howlin' Brothers-Live Show, frei nach ihrem Motto "alles in einen großen Topf geben und dann langsam garen lassen"! Da bietet der dynamische Opener 'Pour It Down' Acoustic Rock'n Roll im Sun Studio Sound mit Jug Band- und Gospel-Zutaten. Es folgen Appalachian Mountain Stringband Music auf 'Boogie', fiebriger, Harp-getränkter deep-southern Folk Blues bei 'Night And Day' und im starken Kontrast dazu Cajun-Elemente mit Fiddle, Akkordion und Waschbrett auf 'Monroe'. 'World Spinning Round' ist beinharter 50er Country & Western mit heulender Steel Guitar von Mike Fried (von Wylie & The Wild West), während das geradezu verstörend gesungene, Klavier-getragene und mit elektrischer Gitarre ausgeschmückte 'Troubled Waltz' Alt.Honky Tonk mit Gothic Americana verknüpft. 'Sing A Sad Song' besitzt ein üppiges Arrangement mit Mandoline von V.I.P.-Gast Ricky Skaggs, Bass, Drums, akustischen und elektrischen Gitarren und mehrstimmigem Gesang, auf 'Pack Up Joe' gibt's schnellen, Banjo-getriebenen Flatt & Scruggs-style Bluegrass. 'Love' kommt als moderne Variante von "Americana-Reggae", geprägt von viel Percussion und einer frickeligen, psychedelisch rockenden E-Gitarre. Auf dem Bluegrass-lastigen 'Hard Times' kann man nochmals Ricky Skaggs an der Mandoline genießen. Nicht weniger flexibel geht's in die letzte Runde mit 'I Was Wrong', einer tollen, von Klavier und Banjo dominierten Midtempo-Ballade mit gospeligem Call & Response-Gesang in Avett Brothers-Nähe, mit Roadsong Folk und Bayou/Cajun-Flair auf 'Louisiana' und mit dem finalen 'Yes I Am!' in klassischer Chaingang/Gospel-Manier.

Die Howlin' Brothers haben mit den 13 Songs für 'Trouble' nicht nur ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt und ihr Standing als eine der spannendsten aktuellen Americana String Bands untermauert, sondern - so das Fazit von Brendan Benson nach den Recordings und einigen gemeinsamen Live Events - sich als Typen erwiesen, die "das Leben leben, über das sie in ihren Liedern singen", die "besessen sind von ihrer Musik und damit durch und durch authentisch". Kurz: Die Howlin' Brothers sind "the real deal"!!