Schon so oft half der legendäre Saxon Pub im Süden der texanischen Musikmetropole Austin einer spannenden Bandkarriere auf die Sprünge. Man braucht nur einen Blick in die umfangreiche Texas-Sektion im Katalog des Blue Rose Labels zu werfen und wird schnell fündig. Ganz vorne stehen da die Resentments, die bereits vor gut 15 Jahren in jenem Kultclub in der South Lamar zusammenfanden und dort bis auf den heutigen Tag regelmäßig aufspielen; Deadman gehören dazu, genauso wie Shurman oder die Band Of Heathens. Auch die jüngste Neuverpflichtung einer mit allen typischen Austin-Attributen ausgestatteten Roots'n Roll-Combo passt hervorragend in diese Kategorie: The South Austin Moonlighters. Es handelt sich dabei um ein illustres Quartett von gestandenen Musikern mit reichlich Credits in der lokalen Szene: Phil Hurley, Josh Zee, Lonnie Trevino, Jr. & Phil Bass. Nach einer privat veröffentlichten Live-CD - natürlich aus dem Saxon Pub! - legen sie nun das ersehnte erste Studioalbum vor. Mit seiner Bandbreite, starken Songs, ungebremster Spielfreude und dem Charisma jedes einzelnen Musikers begeistert 'Burn & Shine' von vorne bis hinten. Ein richtig dickes Statement in Sachen Texamericana Rock, mit dem die South Austin Moonlighters jetzt auch überregional und dank der Blue Rose-Veröffentlichung bis hin nach Europa ein ganz heißes Thema werden!

Am Anfang stand der "Sin City" Showcase während der SXSW 2011, jener von Jahr zu Jahr immer weiter ausufernden Riesenveranstaltung in der beliebten "Live Music Capital of the World". Abseits all der Hektik gibt es tagsüber immer noch diese feinen Nebenevents für Americana- und Roots Music-Fans, und dieser war ein solcher - u.a mit Auftritten von Shurman, den Mother Truckers, Deadman und Stonehoney. Einige Musiker freundeten sich an und wurden zu gegenseitigen Fans. Spontan begann man zunächst als Hobbytruppe zwischen den Gigs der jeweiligen Hauptbands, einfach aus dem Spaß an der Sache. Aber irgendwann wurde es ernst! Verdammt ernst, denn man hatte eine gemeinsame Wellenlänge gefunden und einen eigenen Namen dazu, Auftritte wurden gebucht, ein umfangreiches Repertoire erstellt und zusammen neue Songs geschrieben. Bereits zur nächsten SXSW in 2012 war das Interesse der Talentscouts geweckt, aber es sollte noch ein gutes Jahr länger dauern, bis die South Austin Moonlighters ihre ersten Studiorecordings fertiggestellt hatten.

Der singende und songschreibende Drummer Phil Bass ist seit über 30 Jahren Profi. Als sprichwörtlicher "Rock'n Roll Joe" lässt er keine Gelegenheit aus zu spielen, egal ob auf Privatparties, für TV-Werbung und Soundtracks, in der Touringband von Monte Montgomery, auf Alben von Mark Jungers und Houston Marchman oder zuletzt als festes Mitglied bei den Whiskey Sisters, jener frauengeführten Combo, die sich aus den bekannten Mother Truckers entwickelte. Hier kam er mit Josh Zee und (wieder) mit Lonnie Trevino, Jr. zusammen. Zee, vor ca. 10 Jahren zugewandert aus der Bay Area, hat sich besonders als elektrischer Leadgitarrist mit eigener Note und Co-Leader der Mother Truckers neben seiner stimmgewaltigen Ehefrau Teal Collins ein hohes Standing erspielt. Diese Band liegt derzeit auf Eis und als Zuarbeiter für Collins bei den Whiskey Sisters ist er natürlich völlig unterfordert. Lonnie Trevino, Jr. ist nach etlichen Jahren als Bassist bei Monte Montgomery (mit Phil Bass) und später beim texanischen Bluesgitarristen Mike Zito zur Austin-Kultcombo Deadman gestoßen. Nachdem dort kürzlich ein Großteil der Musiker ausgetauscht wurden, wechselte Trevino für eine Tournee zu Fastball und dann vollzeitig zu den Whiskey Sisters. Der vierte im Bunde und heimliche Chef der South Austin Moonlighters stammt eigentlich aus Boston und ist erst Mitte der letzten Dekade nach Austin gezogen: Gitarrist, Sänger, Songschmied Phil Hurley hatte zuvor an der Ostküste immerhin moderaten Erfolg mit den Gigolo Aunts, einer typischen College/Guitar Rock/Pop-Truppe der 80/90er Jahre, bevor er sich mit Stonehoney an einer tollen Mischung aus Westcoast und Texas, aus Eagles und Alt.Country Rock versuchte. Leider konnte er seine eigenen Songs nicht in dem gewünschten Maß unterbringen und so war er gar nicht abgeneigt, eine neue Herausforderung anzunehmen!

'Burn & Shine' bietet eine vielschichtig ausgerichtete, handwerklich beschlagene, von kerniger Texas-Atmosphäre durchsetzte Roots Rock-Mischung, die auf einem festen Fundament aus All American Rock'n Roll, R&B, Country, Funk, Blues und Classic Rock steht. Die 13 Songs (und zwei kurzen Jams) stammen allesamt von den vier Protagonisten, einige sogar vom gesamten Team. Jeder bringt dabei sein ganz eigenes Flair mit ein und singt seine jeweiligen Stücke unter kräftiger Harmony Vocals-Mithilfe der anderen, was dem Album zusätzlich Abwechslung und Attraktivität verleiht. Der satte, harmonisch-dynamische Roots Rock von Josh Zee's 'Land Mines', der funky R&B Stomper 'Found My Way Back' und 'Old Engine', eine Phil Hurley-Rockballade mit kernigen Electric Guitars, sorgen für einen mächtig erfrischenden Auftakt. Hurley's 'King Of Friday Night' ist schneller, country-twangiger Roots'n Roll mit Rockabilly Twist in bester Beat Farmers-Manier, Lonnie Trevino, Jr. legt auf seinem 'Can't Live Without You' die Grundstimmung mit einem kompakten Motown Beat, 'One More Time' bedeutet polternder Honky Tonk Blues mit typischen Southern Rock-Gitarren. Das gospel-soulige '29 Miles' erinnert zu Beginn an John Fogerty's Blue Ridge Rangers, läuft dann aber direkt in den fiktiven Los Lonely Boys-Katalog über, während 'Once I Saw A UFO' von Josh Zee frei fließenden, fast radiofreundlichen Stoff in Country- und Guitar Rock-Nähe mit einem unwiderstehlichen Refrain zum Mitsummen bietet! 'Moonlight Ride' ist der Theme Song des Quartetts, sinnigerweise eine Bandkomposition, ein schwüler, superfunky und bluesiger Hybrid aus Texas Blues Shuffle, Southern Rock und New Orleans R&B, komplett mit total "angeschwärzten" Choir Vocals der The Whiskey Sisters. 'Falling Out Of Love' ist ebenfalls Teamwork, eine old-school Blues Rock-Ballade, von Phil Hurley mit viel Seele und Hingabe gesungen. Der Titelsong 'Burn And Shine' stammt von Hurley und Aaron Beavers, jenem Shurman-Frontmann, der als Initiator in 2011 für die SAM-Idee gilt. Das ist klasse Rock'n Roll mit spannenden Tempowechseln und extrovertierten elektrischen Gitarren im Stil von Arc Angels bis Band Of Heathens und kann ganz sicher als einer der absoluten Livekracher auf einer zukünftigen Tour betrachtet werden!

Mit 'I'll Be Around', dem einzigen akustisch instrumentierten, fast folkigen Stück, schließt das von Keyboarder David Boyle (Ugly Americans/Bob Schneider, Stephen Bruton, Shinyribs) angenehm old-fashioned produzierte Album auf hohem Niveau. Austin, Texas hat mit den Moonlighters und ihrem großartigen 'Burn & Shine' mal wieder eine richtige Spitzenband von der Leine gelassen!!