Mit seinem dritten Album 'Ride The High Country' geht der texanische Vollblutmusiker "Scrappy" Jud Newcomb wieder verstärkt auf elektrischen Rock'n Roll-Kurs mit Erdnähe! Die vielschichtigen Arrangements und modernen Popansätze des Vorgängeralbums 'Byzantine' von 2005 hat er weitgehend ad acta gelegt und sich auf das konzentriert, was sich seit über 20 Jahren wie ein roter Faden durch seinen Lebenslauf zieht: flexibler Texas-style Roots Rock auf klarer Singer/Songwriter-Basis.

 


Newcomb befährt seine Karriere seit vielen Jahren mehrgleisig. So spielte er Mitte der 90er in einer der bekanntesten Bands der Austin Scene, den Loose Diamonds und wurde später zu einem (gewichtigen!) Viertel der legendären Resentments. Daneben ist er in allen Studios der Stadt zuhause, gehört zu den meistgesuchten Begleitmusikern. So arbeitete er sehr lange als Bandleader von Toni Price, produzierte und spielte für Beaver Nelson, Kevin Carroll, Bob Schneider und Michael Hall, war in der Bump Band von Ian McLagan eine feste Größe neben Gurf Morlix, nahm Jobs wahr für Ray Wylie Hubbard, Michael Fraccasso, Chrissy Flatt, Calvin Russell und Steve Poltz.

Seit Anfang des Jahrtausends kümmert sich Newcomb endlich auch um seine eigene Sololaufbahn. 'Byzantine' und davor das Debüt 'Turbinado' von 2003 überraschten mit großer Stilvielfalt, groovy Rhythmen und unerwartet modernen Arrangements - beide waren sehr viel anders geworden als man es vielleicht erwartet hatte, anders als die meisten seiner sonstigen Projekte! Er gab sich als progressiver Singer/Songwriter, der zwar das Roots-Bewusstsein eines echten Texaners nicht leugnete, die Folk, Country & Blues-Bezüge aber zugunsten klarer Rock & Pop-Einlassungen weit in den Hintergrund stellte.

Auf 'Ride The High Country' besinnt sich Jud Newcomb, der auch als Mittvierziger immer noch wie ein smarter Youngster ausschaut, auf seine Rock'n' Roll-Wurzeln, auf die Ära Ende der 80er, als er als Co-Frontmann der Highwaymen und den daraus resultierenden Loose Diamonds die rauere Rockseite der Austin Music Scene definierte - zusammen mit den True Believers von Alejandro Escovedo und Jon Dee Graham und den Arc Angels mit Doyle Bramhall II und Charlie Sexton, alles Brüder im Geiste. Die beiden Eröffnungsstücke knüpfen da gleich mit herrlichem Keith Richards-Brett nahtlos an. '45 rpm' ist natürlich eine Homage an die gute alte Zeit der Singles: ein hooklastiger, eindimensionaler, riffstarker Kracher der hier zunächst die Stimmungsmarke setzt. 'State Of Distraction' kommt als Midtempo-Rocker mit dreckiger Slide Guitar ganz im Stil seines Resentments-Kollegen Jon Dee Graham. 'Could I Write The Song' ist die beste von diesmal nur wenigen typischen Newcomb-Balladen, 'She Wasn't Always This Way' besticht mit eingängigem Refrain und durchgängig dominanter Sologitarre im Stil eines kantigen Mark Knopfler. Beim abschließenden 'Don't You Turn That Song Off' zählt genau dieses Motto: ein locker-jammiger Texas Shuffle, mit ultra-relaxten Duellen von elektrischer Gitarre und der gleißenden Pedal Steel von Kim Deschamps (Blue Rodeo, Fred Eaglesmith), knapp über 5 Minuten lang, aber scheinbar in die Ewigkeit hineingroovend.

Durchweg überzeugt Jud Newcomb als absolut kompetenter Lead, Rhythm & Slide Gitarrist auf allen elektrischen und akustischen Saiteninstrumenten. Seine enorm raspelige, kratzige Stimme nimmt einen schnell für sich ein, ähnelt mit zunehmender Reife dem Organ von Jon Dee Graham. Etliche Topmusiker der Szene sorgen für professionelles Austin Music-Hörvergnügen, u.a. die Keyboarder Ron Flynt (Eric Hisaw, Chrissie Flatt) und Mark Addison (Guy Forsyth), die Bassisten George Reiff (Michael Hall, J.D. Graham), Larry Fulcher (Toni Price, Taj Mahal) sowie Resentments-Kumpel Bruce Hughes, die Drummer Jon Greene (Matt The Electrician) und Mark Patterson (Beaver Nelson, Bruce Robison).