(Roots/Folk/R&B) 2010 Archer - der Titel als Programm! Lässig-crooniger, rootsig-schwüler, altersweiser-dennoch-zeitloser Memphis-Stoff allererster Güteklasse vom einflussreichen Altmeister Sid Selvidge, den man in der internen Memphis-Hierarchie weit oben in der Nähe von Jim Dickinson und Alex Chilton ansiedeln muss, obwohl sein Name vermutlich nicht allen ähnlich geläufig ist. Selvidge lässt sich ja immer viel Zeit, so ist 'I Should Be Blue' erst sein 8. Album seit 1969, allerdings muss man natürlich seine Phase mit einer der legendärsten (der "unbekannten") Memphis Bands hinzurechnen: Mud Boy & The Neutrons, etwa für eine Dekade seit Mitte der 80er. Selvidge ist Sänger mit einer warmen, klaren Stimme, ein ausgezeichneter (meist akustischer) Gitarrist, Integrationsfigur zwischen den Generationen sowieso, aber auch ein exzellenter Songschreiber, der allerdings viel öfter seine Favoriten aus Folk, Blues, Soul, Jazz und Country zu Wort kommen lässt. So hat auch 'I Should Be Blue' nur zwei neue eigene Lieder, der Rest ist eine typische Sammlung von Tim Hardin, Donovan Leitch, Fred Neil, Furry Lewis, Townes Van Zandt und Duke Ellington, dazu gleich zum Start eine Topversion von Tom T.Hall's Klassiker 'That's How I Got To Memphis', die früh die angenehme Atmosphäre dieses sehr guten Albums vorgibt! Besonders herausgestellte Künstlerin ist die junge Singer/Songwriter-Kollegin Amy Speace: Ihr 'Two' ist hier drauf, eines von vier Duetten!! Mit ihr ist Selvidge denn auch derzeit auf Tour. Produziert von Don Dixon (REM, Smithereens, Chris Stamey, Marshall Crenshaw), feat. bekannte Memphis-Studiocracks wie Al Gamble (Orgel), Sam Shoup und Amy LaVere (Bässe), Drummer Paul Taylor (Dickinson, Jimbo Mathus, North Mississippi Allstars, derzeit bei Chuck Prophet), Susan Marshall, Reba Russell (Backing Vocals), Dixon selber (Bass, Keyboards, Gitarren) und natürlich Sohn Steve Selvidge (Big Ass Truck, NMA, aktuell bei The Hold Steady), der sich mit dem Vater in den wichtigen Gitarrenparts ganz natürlich ergänzt.