Die Black Sorrows aus Melbourne gehören zum Feinsten und Beständigsten, was die australische Roots Rock-Szene zu bieten hat: Sie sind über 30 Jahre aktiv, haben knapp 20 Alben - darunter etliche Top 10-Hits und wichtige Genrenummern - veröffentlicht, sie begeistern mit beseelten Liveauftritten und gelten mit ihrer für personelle Neuerungen und stilistische Abenteuer immer offenen Ausrichtung auch als Talentschmiede des Landes. Diese pralle Liste verdichtet sich zu einer einzigartigen Erfolgsstory mit Langzeitwirkung! Aus einer Laune heraus nahmen sie während der Studiosessions zu ihrem 2014er Album 'Certified Blue' gleich noch ein paar klassische Coverversionen aus der weiten Welt des Roots & Blues dazu auf. Das hat ihen soviel Spaß bereitet, dass die Entscheidung für ein komplettes Werk mit ausschließlich alten Favoriten nicht lange auf sich warten ließ. Die konsequente Umsetzung dieser spontanen Idee heißt nun im Frühjahr 2015 'Endless Sleep' und bedeutet ein weiteres spannendes Kapitel in der reichhaltigen Bandhistorie! Die Hauptfigur hinter den Black Sorrows ist Frontman, Mastermind, Songschreiber, Sänger und Multiinstrumentalist Joe Camilleri. Der mittlerweile fast 67-Jährige, eine wahre Living Legend in Sachen Roots-Kultur, auch Mitglied der australischen Hall Of Fame, hatte diese Band 1983 aus der Asche der kultigen Jo Jo Zep & The Falcons gegründet und ist bis heute die einzige Konstante in einer permanent höchster Fluktuation unterworfenen Combo, die in all den Jahren bis zu 35 verschiedene Musiker beherbergt hat und deren Line-up kaum mal 2 oder 3 Jahre lang dieselbe war. Aus einer zu Beginn bis zu 8 Mann starken, Cajun/Zydeco-ausgerichteten, semiakustischen Roots Big Band mit Saxofon, Akkordion und Geige entwickelte sich schnell eine kompaktere, rockigere Kernformation mit dem Markenzeichen Joe Camilleri als veritablem Shouter, der mit seiner enorm wandlungsfähigen, ausdrucksstarken Stimme zwischen Soul, Blues und Rock'n Roll, aber auch als Instrumentalist an verschiedenen Gitarren, Harmonica und Saxofon (!) zu überzeugen weiß. Die Black Sorrows stehen für eine zeitlose, erdige, durch und durch handgemachte Mischung aus Blues'n Roots, Country Rock, Jazz & Swing, Rockabilly, R&B und kernigem Rock'n Roll - praktisch Americana made in Down Under. Unterm Strich mag man ihre Musik etwa auf den gemeinsamen Nenner von Van Morrison, The Band, Dire Straits, J.J. Cale, Willy DeVille, Bap Kennedy, Paul Kelly, The Waterboys, John Mellencamp bis hin zu den Rolling Stones bringen. Für die Titelauswahl zu 'Endless Sleep' ist Joe Camilleri aber noch vieler tiefer in seine Schatzkiste der musikalischen Leidenschaften, Vorbilder und Einflüsse vorgedrungen! Zum Start der ungemein abwechslungsreichen Kopplung dieser 14 Tracks erleben wir J.J. Cale's 'Devil In Disguise' als rasend schnelle Rock'n Roll-Nummer mit Boogie Piano und lauten elektrischen (Slide-) Gitarren. Der späte Lou Reed-Klassiker 'Dirty Boulevard' und Blind Willie McTell's 'God Don't Like It' bewegen sich noch im ähnlichen Terrain mit dominanten Slippin' & Slidin'-Mustern frei nach Ry Cooder, Taj Mahal und Little Feat. Aber spätestens mit dem dynamischen Soul/Blues/Rock auf 'That's A Pretty Good Love' und dem folgenden 'Excitable Boy' in locker moderater Country Rock-Atmosphäre bekommt man eine Ahnung von der stilistischen Breite auf diesem Album. Beim Big Maybelle-Stück brilliert das frühere Sorrows-Mitglied Vika Bull als furiose Gastshouterin und eine fette Horn Section duelliert sich mit der swingenden R&R-Lead Guitar. Der bekannte Warren Zevon-Hit punktet dagegen mit radiotauglichen Sax-Soli und ansteckenden Mitsingrefrains. Danach kommt es Schlag auf Schlag: Der Titelsong wird zur schmachtenden Rock'n Roll-Ballade mit Reminiszenzen an Elvis und Buddy Holly; auf Hank Williams' 'I'm So Lonesome I Could Cry' zelebriert Joe Camilleri den leidenden Crooner; den Blues-Gassenhauer 'Hard Time Killing Floor' von Skip James verwandeln die Sorrows in sumpfigen, funky-groovy Soul Rock á la J.J. Grey & Mofro; und danach wird's richtig extrem: das relaxte Late Night Jazz/Slow Blues-Instrumental 'Lonnie's Lament' als Tribut an den einzigartigen John Coltrane mit ausgedehnten Sax- und Piano-Soli! Der insgesamt deutlich "schwarze" Charakter dieses Black Sorrows-Werks wird zusätzlich untermauert durch coolen Big City R&B auf Gil Scott Heron's 'Better Days Ahead', den schweren Country Blues mit schneidenden Slidegitarren, sirrenden Bottleneck-Attacken und harschem Sprechgesang von '61 Highway' (Mississippi Fred McDowell) und den Memphis-typischen Soul Groove auf King Floyd's 'Baby Let Me Kiss You', komplett mit funky Bass, geschliffenen Bläsersätzen, jubilierendem Saxofon und beseelten Vocals. Die alte Mink De Ville-Nummer 'Storybook Love' erscheint im Gewand der frühen Dire Straits und am Ende steht Eddie Hinton's 'Just Like The Fool That I Was' als einfühlsamer Tribut an Otis Redding und Wilson Pickett. Anders als in ihrer Heimat sind die Black Sorrows hier bei uns vom Roots Rock-Radar schon lange nicht mehr geortet worden. An der durchweg erstklassigen Qualität ihrer Musik kann es nicht liegen, eher schon an Joe Camilleri's ausgeprägter Flugangst - seit den 90ern hat er deswegen den 5. Kontinent nicht mehr verlassen. Aber das Problem scheint überwunden, denn mit der Veröffentlichung von 'Endless Sleep' ist eine ausgedehnte Tour durch Europa angekündigt! Um neue und alte Fans darauf entsprechend einzustimmen, kommt die europäische Ausgabe auf Blue Rose Records (via Rootsy) als spezielles Doppelalbum mit der ausführlichen Bonus-CD 'One More Time', die einen wunderbaren Einblick in den ganz speziellen Kosmos der Black Sorrows gewährt! Unter den 13 hervorragend ausgewählten Best Of-Tracks befinden sich Klassiker wie 'Lucky Charm', 'Chosen Ones', 'Life's Sad Parade' und die Hits 'Snake Skin Shoes', 'Hold On To Me' und 'Harley & Rose'.