Seit über 20 Jahren gehört der bekannte niederländische Singer/Songwriter mit deutlicher Americana- und Roots Rock-Ausrichtung zu den verlässligsten und fleißigsten seiner Zunft! Kaum ein Jahr, in dem Ad Vanderveen kein neues Produkt veröffentlicht hat, dafür einige in denen es gleich zwei gab oder auch mal ein Doppelalbum. Eigentlich wollte er sich für 2015 einem schon länger geplanten Projekt widmen, nämlich die bei seinen Shows meistgewünschten Lieder noch einmal ganz neu einspielen. Doch je näher die Aufnahmetermine heranrückten, desto häufiger erlebte er wahre Kreativschübe: Ein neuer Song nach dem anderen floss ihm nur so aus der Feder! Deshalb dürfen wir uns jetzt über ein reichhaltig bemessenes neues Ad Vanderveen-Opus freuen, das in Gestalt gleich zweier Silberlinge in einer geschickt angefertigten Verpackung daherkommt, Vergangenheit und Gegenwart gleichberechtigt anbietet und mit 'Presents Of The Past'/'Requests Revisited' entsprechend betitelt ist. Ad Vanderveen wurde 1956 in Hilversum geboren, die Hälfte seiner Familie stammt allerdings aus Kanada. Und offensichtlich sind es genau jene Gene, die sich hörbar durchgesetzt haben! Seit Anfang der 90er trägt er seine ganz persönliche musikalische Botschaft zunächst quer durch die einschlägige Clubszene in Mitteleuropa, später dann auch über viele Grenzen hinaus in die Welt. Heute gehört er neben Hank Shizzoe, Markus Rill und Iain Matthews, die übrigens auch alle zur Blue Rose-Familie zählen, zu den vornehmlichsten europäischen Musikern, die in einer festen Beziehung zur amerikanischen Storyteller-Kultur stehen. Ad Vanderveen ist ein äußerst kommunikativer Typ, der gerne mit anderen zusammenarbeitet. So ist er im Laufe seiner mittlerweile gut 20 Alben und unzähliger Live-Konzerte mit Hochkarätern wie Eric Andersen, David Olney, Al Kooper, Herman Brood und Eliza Gilkyson aufgetreten, zeigt sich in den letzten Jahren gerne im Duo mit seiner Lebensgefährtin, der talentierten Sängerin Kersten de Ligny, reaktiviert von Zeit zu Zeit das Iain Ad Venture (mit Iain Matthews). Außerdem steht seine langjährige Begleittruppe The O'Neils (treffend benannt nach seinem großen Idol) immer einsatzbereit zur Verfügung, wenn es denn mal wieder richtig elektrisch, in allerbester Crazy Horse-Manier krachen und bratzen soll! Letzteres passiert allerdings auf 'Presents Of The Past'/'Requests Revisited' zunächst lange nicht (besser: bis kurz vor Schluss nicht…). Ad Vanderveen gibt sich nämlich wieder einmal völlig entspannt der vorwiegend von akustischen Arrangements geprägten Americana-Kunst hin, bestätigt seinen erstklassigen Ruf als aufmerksamer, detailgetreuer Texter und wandlungsfähiger Interpret, der mit seinem Gesang und seinen vielen verschiedenen Instrumenten Stimmungen, Leidenschaft und Atmosphäre vermittelt wie es den ganz großen Namen der Branche nachgesagt wird: Guy Clark, Rodney Crowell, Gordon Lightfoot, Townes Van Zandt und David Olney, ja: natürlich auch Neil Young! Die CD mit den 10 neuen, komplett selbst geschriebenen Stücken startet mit 'Welcome To My Kitchen' ganz ruhig mit Gitarre, einem markanten Dobro, etwas Banjo und der reifen, aussagekräftigen, über so viele Jahre gestählten Erzählstimme Vanderveen's. Beim folgenden Titelsong werden dezente Percussion und Lap Steel sowie Kersten de Ligny's wunderschöne Stimme hinzugefügt, 'Well That Never Runs Dry' ist im früh70er Dylan/Young-Sound angesiedelt und kommt etwas opulenter ausgestaltet daher - Harmonica, Banjo, Orgel, Backing Chor, ein delikates Electric Lead Solo, alles untermalt von einem schlurfenden Acoustic Country-Rhythmus nicht weit weg von 'Blood On The Tracks' oder 'Harvest'. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf: 'Long Ride', 'Small Time Real Life Stories' in John Prine-Manier, das beschwingte, von Banjo und Akkordion eingerahmte 'Another Life', 'The Future Has Changed' mit Percussion, perlendem Klavier, feinem Mundharmonika-Break und zauberhaftem Duettgesang vom prominenten Gast Lynn Miles. Ja, das hört sich sehr organisch, natürlich und angenehm unangestrengt an. Alles im Fluss, auch 'Music Waiting For Words', quasi eine Lektion aus dem Songwriter Workshop, 'World So Crowded' und das bewegende Ende mit der sensiblen Acoustic Folk-Ballade 'Sister' in Townes Van Zandt-Nähe. Nahtlos vollzieht Ad Vanderveen den Übergang zu 'Requests Revisited', der anderen CD seines bemerkenswerten neuen Doppelalbums. Der Reigen der 10 bekannten Songs im neuen Gewand beginnt mit einer forschen Country Rock-Version von 'First Feeling'. 'Anchor' erinnert in seinen komplizierten Phrasierungen an David Crosby, ein Streichertrio, die Harmonien von de Ligny und die perlenden Tupfer von der elektrischen Gitarre verstärken den mystischen Charakter dieser erstaunlichen Komposition. 'Blues So Bad' begeistert mit tollen Dobro/Bottleneck-Einlagen und 'Emigrant Family' kommt als superlässiger Acoustic Country Rock im Stil von Neil Young & Nicolette Larson. Dagegen wurde 'The Moment That Matters' mit Hilfe von Klavier und Streichertrio zu einer konzertanten Tiefgangballade umfunktioniert. 'Well Of Wonder' feiert als Pedal Steel-untermalte Alt.Country Noir-Hymne seine Wiedergeburt, nimmt ab der Hälfte des gut 8-minütigen Werks elektrische Fahrt auf! Das in Konzerten oft auschweifende 'Soul Power' mutiert hier zum knappen 3 Minuten-Rocker, 'Wonders Of The World' wird zur elegischen Piano-Nummer und belegt eindrucksvoll Ad Vanderveen's Neil Young-Affinität, während 'Driftwood' jetzt als eingängig-melodischer Americana/Folk Rocker glänzen darf. Inzwischen hat sich der Niederländer klammheimlich aus seiner Folk-Haut geschält und nun erst richtig eingestöpselt! So mündet die offizielle Abschlussnummer 'Still Now' in einen langen Feedback Fade, um dann das fürwahr epische, versteckte Bonusstück einzuleiten: 'Water Under The Bridge' entwickelt sich im Verlauf seiner 19:57 Minuten (!) zu einer mächtigen Kreuzung aus 'Cortez The Killer' und 'Like A Hurricane', Ad Vanderveen dirigiert dabei eine Art Big Band-Rockestra mit gleich vier elektrischen Gitarristen, Keyboarder, Bassist und Drummer, hat dazu auch noch eine amerikanische Studiosession mit Al Kooper, Leland Sklar und Harry Stinson eingebaut. Welch ein schweißtreibendes Finish! Große Teile von 'Presents Of The Past' wurden live in der Acoustic Alley des Theater de Steeg in Den Haag eingespielt; Overdubs, die Recordings für die gesamte 'Requests Revisited'-CD sowie Mixing und Mastering stammen aus dem Seafront Music Studio in Den Haag. Vanderveen singt und spielt die meisten Instrumente: akustische und elektrische Gitarren, Banjo, Harmonica, Autoharp, Bass und Percussion. Kersten de Ligny gehört mit ihrer idealen Harmoniestimme unverzichtbar dazu, auch Seafront-Betreiber, Co-Produzent und Multiinstrumentalist Rene Kaaij (Drums, Bass, Keyboards, Akkordion, Percussion, Backing Vocals) sowie Timon Van Heerdt (Acoustic Bass, Lap Steel, Mandoline) von den O'Neils oder Rob Van Duuren (Pedal Steel) leisten ihre wichtigen Beiträge zum Gelingen dieses wirklich großartigen Projekts, mit dem Ad Vanderveen sein Standing in der globalen Americana-Szene nochmal massiv verstärken wird!