Mit Stephen Simmons befindet sich einer der begabtesten und vielversprechendsten Musiker der jüngeren Americana-Garde auf Blue Rose. Sein brandneues Album 'A World Without' ist bereits die zweite Veröffentlichung des Mannes aus Tennessee für das schwäbische Liebhaberlabel und gesellt sich nahtlos zu all den feinen Produkten solch hochkarätiger Kollegen wie Owen Temple, Ad Vanderveen, Jeff Black, Markus Rill, Tim Easton, James McMurtry, Leeroy Stagger u.s.w. Der mit einer so wunderbar warmen Baritonstimme gesegnete Singer/Songwriter veröffentlicht seit nunmehr 15 Jahren intelligente musikalische Kurzgeschichten über Land und Leute in einer poetisch kraftvollen Handschrift auf lokaler Ebene und darüber hinaus mit stetig wachsendem Erfolg. Regelmäßig fliegt er nach Europa, wo er sich besonders in Holland auf den einschlägigen Roots-Festivals, aber auch immer mehr bei uns in vertraulicher Clubatmosphäre einen regelrechten Kultstatus erspielt hat. In einer erlesenen Serie von starken Genrealben zwischen Folk, Country und Roots Rock markiert 'A World Without' einen weiteren Meilenstein in Simmons Laufbahn und könnte ihn in den Staaten fast schon in die Liga der aktuell so megaerfolgreichen Americana Stars Jason Isbell, Hayes Carll und Chris Stapleton aufrücken lassen. Talent, Erfahrung und Leidenschaft dafür besitzt er zweifellos! Stephen Simmons stammt aus Woodbury, einer typischen Small Town im Hinterland von Tennessee, und lebt seit vielen Jahren in East Nashville, gilt als fester Bestandteil der dort abseits vom Mainstream aktiven "Alternative Scene". Nach eigener Zählung ist 'A World Without' sein 10. Werk mit Originalmaterial, aber seine Website oder einschlägige Indie-Portale wie Bandcamp halten eine Unmenge mehr an Livemitschnitten, EPs und anderen Projekten bereit. Erste überregionale Duftmarken hinterließ Simmons Mitte der letzten Dekade mit seinen Scheiben 'Last Call' (2004) und 'Drink Ring Jesus' (2006), der internationale Durchbruch gelang 2007 mit dem schon deutlich professioneller klingenden 'Something In Between'. Blue Rose stellte ihn dann in 2011 mit seinem Konzeptalbum 'The Big Show' erstmalig einem größeren europäischen Publikum vor. Begleitende Tourneen sorgten zusätzlich für Begeisterung unter all den Americana-Fans auf dem Kontinent. Dieser zuvor weitgehend unbekannte Stephen Simmons erwies sich wahrlich als sehr ausdrucksvoller Musiker mit ganz eigener Note und hohem Wiedererkennungswert! Für das ebenso spezielle wie vor allem bei Kritikern hochgelobte 2013er Album 'Hearsay' favorisierte er ein sehr defensiv arrangiertes Songmaterial und zeigte sich insgesamt von seiner nachdenklichen Seite. 2016 nun präsentiert Simmons mit den 11 neuen Songs von 'A World Without' die geballte kreative Bandbreite seines vielschichtigen Americana-Schaffens im kulturellen Zeitgeist zwischen Troubadour Folk, Alt.Country und Country Rock voller individueller, nicht konfektionierter Singer/Songwriter-Kunst im südstaatlich geprägten Roots-Terrain. Sein erdiger Folk Rock kommt prägnanter als je zuvor, die wertbeständigen Country-Elemente sind nicht zu überhören und auch im Zusammenspiel mit seiner langjährigen Touring Band erweist sich der Protagonist als versierter Entertainer zwischen Roadhouse Rock und Roots 'n Roll. Seine scharf umrissenen Texte handeln oft von fiktiven Geschichten, die er sich - manchmal nur inspiriert von einer zufälligen Begegnung oder einer fixen Idee - on the Road oder in den Motelzimmern im weiten Süden ausgedacht hat, andererseits von Beobachtungen seines nächsten Umfelds und Reflektionen über sich selbst als Mensch auf der Suche nach Liebe und dem Sinn des Lebens, von unerfüllten Träumen und dem ewig jungen Wechselspiel von Heimat und Fernweh - also all dem Stoff für beste Southern Americana-Poetry! 'A World Without' beginnt ungewöhnlich mit einem kurzen Klaviersolo ('Prelude') von Bandmitglied Molly Jewell, um dann sofort in den ersten richtigen Stephen Simmons-Song überzugehen: 'West' ist eine kraftvolle Erzählballade als Hommage an die Zeit der großen Trecks in den Goldrausch des gelobten Westen und das harte Leben entlang der Eisenbahngleise. Bewegung und Reisen gehören bei Simmons zu den häufigsten Songmotiven, so thematisiert der druckvolle Country Rocker 'Puritan Cowboys' Traditionen und Brüche zwischen "alter" und "neuer" Welt - gleich mehrere elektrische Gitarren, ein schneidendes Lap Steel-Solo und die zwingende Hookline sorgen für erhöhten Pulsschlag! Entspannte, zurückhaltende Klänge beherrschen dagegen den Titelsong, die edlen Pedal Steel-Passagen und die traumhaft aufeinander abgestimmten Gitarren (Acoustic, Electric, Baritone) dürften Saitenfreaks Respekt einflößen. 'Fairy Tales (The Flower's Burden)' ist ein geschickt aufgebauter Songwriter Love Song im Stil von Hayes Carll, beim semi-akustisch/elektrischen, Harmonica-getriebenen Troubadour Rocker 'Every Time' erinnert Simmons an den jungen Steve Earle. Und immer wieder diese Roadsongs… - das leise, fast wehmütige 'The Music Highway' beleuchtet eine der vielen beiläufigen Romanzen zwischen einer Stadt und der nächsten. Manchmal möchte man einfach mal länger bleiben, aber der nächste Gig verpflichtet zum Weiterfahren. Dasselbe Grundthema, eine andere Form: Bei 'One Fast Move' entscheidet sich Stephen Simmons für die schnellere, angerockte Variante mit laut singenden Gitarren und viel Slide in Richtung Heartland Rock'n Roll zwischen Petty, Mellencamp und Hiatt. Die mit dem bekannten Fellow-Songwriter Mando Saenz zusammen komponierte Country-Ballade 'Silver Moon Saloon' beklagt die einsame Trostlosigkeit in einer Bar "allein an einem Tisch für zwei". Nach der verträumten Coming of Age-Nummer 'Dreamers And Kings' schildert Simmons in 'Baby Brother's Got A Baby Now' seine Beobachtungen über ein Liebespaar, das sich ans Elterndasein mit allen Hoffnungen und Bedenken gewöhnen muss. Es spricht für den Familienmenschen Simmons, dass er ausgerechnet hier Vater und Schwester mitsingen lässt! Bei aller Stilvielfalt und Abwechslungsreichtum in den Arrangements bleibt Stephen Simmons im Kern doch ein klassischer Folkie, ein Singer/Songwriter, ein Geschichtenerzähler. Als müsse er das zum Ausklang dieses rundum gelungenen Americana-Albums nochmal extra betonen, schließt er auf 'On Top Of A World' ganz leise mit einem souveränen Folk Song, sparsam begleitet von Gitarre und Harmonica, untermalt von Molly Jewell und seinem Onkel Glen Simmons mit trefflichen Harmony Vocals. Stephen Simmons setzt auch bei der "analogen" Wohlklang-Produktion nur auf vertrautes Personal. Als Co-Produzent, Recording Engineer und Multiinstrumentalist (elektrische, akustische, Slide Gitarren, Orgel) steht ihm wieder der bekannte Eric Fritsch zur Seite. Dazu spielt seine kompetente Touring Band so auf, wie es sein muss: songdienlich, nuanciert, im richtigen Moment den Unterschied ausmachend! Coal Men-Boss Dave Coleman (elektrische, Baritone- und Mandogitarren), Alex McCollough (Pedal Steel), Molly Jewell (Piano, Harmony Vocals), Duane Blevins (Bass) und Tim Blankenship (Drums).