Auffällig und stolz prangt die "9" im Innenleben des neuen Albums 'Until The Night Turned To Day' der Great Crusades, dieser tollen Vierer-Formation aus Chicago, die uns besonders mit ihren Liveauftritten seit zwei Dekaden und mehr als 20 (!) Reisen über den Atlantik so außerordentliche Freude bereitet. Die Great Crusades sind also eine international anerkannte Hausnummer als arrivierter, begeisternder Live Act. Dagegen geraten sie in der Betrachtung als ebenso mitreißende, intelligent rockende, auf gescheite Lyrics und eine enorm breitgestreute Vielseitigkeit bedachte Studioband unberechtigterweise etwas unter den Radar. Rechtzeitig zur aktuellen Tour bei uns im Frühsommer erscheint nun ihr brandneues, insgesamt 9. Werk - 'Until The Night Turned To Day' ist nach vielen Jahren auf Glitterhouse ihre nun bereits zweite Veröffentlichung bei Blue Rose Records und somit der perfekte Nachfolger für das von Kritikern, Medien und Fans enthusiastisch gefeierte 'Thieves Of Chicago' von 2014. Seit über 20 Jahren gibt es die Great Crusades, gegründet von Bandleader, Sänger, Texter, Gitarrist Brian Krumm, diesem stimmengewaltigen Typen, der in flexibler Manier und mit mächtiger Performance an solche Frontleute wie Mark Lanegan, Nick Cave, Tito Larriva, Gary Floyd (Sister Double Happiness), John Kay (Steppenwolf), Joe Pena (Greyhound Soul) und Guy Kyser (Thin White Rope) erinnert: ein charakterstarker Shouter, Sänger, Storyteller mit unbedingtem Wiedererkennungswert! Nach dem 1997er Debüt 'The First Spilled Drink Of The Evening' und dem Umzug aus dem ländlichen Mittelwesten nach Chicago Ende der 90er hat er ab dem zweiten Album 'Damaged Goods' (2000) seine bis heute unveränderte Besetzung mit Gitarrist/Keyboarder Brian Leach, Bassist Brian Hunt und Drummer/Keyboarder Christian Moder zusammengestellt. Diese Vier haben die weiteren (Glitterhouse-) Platten 'Never Go Home' (02), 'Welcome To The Hiawatha Inn' (04), 'Four Thirty' (06), 'Keep Them Entertained' (07) und 'Fiction To Shame' (10) sowie das erwähnte Blue Rose-Debüt 'Thieves Of Chicago' eingespielt und genauso präsentieren sie sich jetzt wieder auf 'Until The Night Turned To Day'. Zusätzliche Unterstützung findet das Quartett auf ausgewählten Tracks in den Chicagoer Studiomusikern Brian Wilkie (Pedal Steel) und Jake Brookman (Cello) sowie der Sängerin Katie Todd. Dramatisch eröffnet ein Klavier das Album mit dem rumpelnden Bar Rock-Walzer 'If You Could Only See Me Now' und bleibt auch danach dominant, die nervöse Lead Guitar von Brian Leach umkreist gekonnt das Thema "von Galway aus in die große Welt", während man im gemeinsamen Chorus ausklingt. Dieselbe Band, ein völlig anderer Stil: Die Liebeserklärung 'Only Took A Minute Not To Say Good Night' ist lupenreinster Country Rock zwischen den 70ern und No Depression, komplett mit Pedal Steel, akustischen Gitarren und einer Storyline nach Singer/Songwriter-Art. 'Hey Hey (River Charles)' kommt als geschickt aufgebauter 5:21-Rocker, der mit langem Anlauf die Kurve zur ultimativen Hookline nimmt und auch mit seinem unwiderstehlichen Refrain solchen Vorbildern wie Cracker und Pixies gedenkt. Gewohnt kontrastreich folgt zunächst die getragene, herrlich melodische Klavierballade 'Gutter Punks' - mit schönem Duettgesang von Katie Todd und Assoziationen zu Randy Newman oder dem guten alten Elton John der frühen 70er. Und danach der vehement, knapp und deftig abrockende, als Eifersuchtstragödie verpackte bissige Kommentar zum ausgrenzenden Zeitgeist in 'Little Crown'. Brian Krumm singt irre heiser, Brian Leach traktiert seine Gitarre meisterlich und die Rhythm Section treibt das Stück gnadenlos voran. Einmal auf den "heavy" Geschmack gekommen setzt die Band mit dem 6-minütigen 'King Of The Altered States' gleich noch einen drauf! Mehrere elektrische Gitarren und eine dominante Slide rocken um die Wette und Krumm schreit sich zum Riff Marke 'American Woman' (Guess Who) die Seele aus dem Hals. Inhaltlich geht es dabei um kaum versteckte Kritik an der gegenwärtigen US-Politik: "do you see what's happening in the world, do you feel what's happening in the rest of the world? He's the king of the Altered States". Wie die meisten neuen Titel scheinen auch der druckvolle Drama-Rocker 'Prayer Furnace' und das fast hitverdächtige, riffstarke, mit Fuzz Guitar unterminierte 'Thanks For Asking' bestens geeignet für die Live-Bühne! Die stilistische Achterbahnfahrt der Great Crusades findet über das akustische, folkig rockende 'If I Changed My Mind' und den schnellen, schwülen Hard Blues Rock von 'Last Dying Wish' im Stil von Captain Beefheart bis Tom Waits ein entspanntes, friedvolles Ende mit der Pedal Steel-getränkten Americana-Ballade 'Petrified' im genretypischen Terrain der Jayhawks, Son Volt oder Wallflowers. Wie der Albumname es schon andeutet fanden die Geburtswehen für die 11 neuen Songs nachts statt. Die vier Musiker spielten sich im Übungsraum in spontanen Jams warm und entwickelten daraus konstruktive Vorlagen für die später im professionellen JoyRide Studio unter aufnahmetechnischer Leitung von Brian Leach verfeinerten Endprodukte. Offenbar eine optimale Methode, um die Great Crusades auch im Studio beweglich, frisch und unberechenbar zu halten, denn genau das ist der Sound von 'Until The Night Turned To Day'!!